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HWK: Constanze Knaack-Schweigstill

Das Schöne mehr erfassen

20 Jahre Werkform: Jubiläumsschau und Verkauf in den Trierer Viehmarktthermen, noch bis Sonntag, 18. Oktober

Vor 20 Jahren schlossen sich gestaltende Handwerker der Region Trier zur Gruppe „Werkform“ zusammen. Der Name ist Programm: Ein Werk formen. Der Duden erklärt „formen“ anhand von Beispielen: „ein Modell aus Ton formen, Ton zu einer Vase formen, Brot formen, Hüte formen“. Formen ist also eng mit Handwerk verbunden. Im Namen Werkform verschmelzen beide Begriffe miteinander – so wie die verschiedenen Materialien, welche die Mitglieder in ihren künstlerischen Arbeiten gerne miteinander kombinieren: Glas, Keramik, Holz, Metall, Stein und Textilien. Die Ergebnisse aus dem Jubiläumsjahr lassen sich vom 10. bis 18. Oktober in den Trierer Viehmarktthermen entdecken und erwerben.  

Zu den Gründungsmitgliedern gehören Elke Gerber-Eckert, Norbert Kölzer, Jörg Bender, Christian Schrot, Hedi Schon, Gabriele Drangmeister, Rudi Müller, Paul Kreten, Anne Hein, Dietmar Brück und Michael Krewer. Und weil Gemeinsamkeit auch im Handwerk stark macht, hat die Gruppe schon sehr früh gemeinsam ihre Arbeiten ausgestellt – ob zur Weihnachtszeit in der Trierer Weißhaus-Orangerie, auf der Luxemburger Herbstmesse oder der Landesgartenschau 2004 in Trier. 

Vorläufer der Ausstellung am Viehmarkt – 2020 zum sechsten Mal – waren Präsentationen in der Europäischen Kunstakademie und im Rheinischen Landesmuseum in Trier. Das historische, weitläufige Ambiente der Thermen tut Werkform offenbar gut: Die Vielfalt der gezeigten Objekte wächst von Jahr zu Jahr. Dass rund 20 Gastaussteller aus dem Saar-Lor-Lux Raum hinzukommen, trägt zum Erfolg der Ausstellung bei. Womöglich auch die Gruppendynamik: „Unser Arbeitskreis kommt ohne Rangordnung aus, also auch ohne Gruppenleiterin“, sagt Schreinerin Gabriele Drangmeister, Mitbegründerin von Werkform. „Ein Teil unserer Stärke besteht darin, dass wir Aufgaben aufteilen. Dass wir lockere Strukturen haben, ist nicht jedermanns Sache. Aber bei uns funktioniert das schon seit langen Jahren.“ 

Die flache Hierarchie war von Anfang an gewollt: ein von der HWK betreuter Arbeitskreis als loser Verbund von Kunsthandwerkern. Heute begleitet Karin Bille von der Beratungsstellung Formgebung der rheinland-pfälzischen Handwerksammern die Gruppe. Austausch zwischen den Gewerken, Workshops in den verschiedenen Werkstätten, die Entwicklung neuer Produkte und Ideen sowie gemeinsame Ausstellungen – diesen Ansatz lebt Werkform nunmehr seit 20 Jahren. „Seit jeher spielt nicht nur die fachliche Komponente eine Rolle, sondern auch die sozialen und kommunikativen Verbindungen. Das Engagement aller Gruppenmitglieder war schon immer groß“, so Gabriele Drangmeister. Als Werkform-Urgestein hat sie auch den Nachwuchs im Visier: „Da wohl einige aus Altersgründen aufhören werden, wünschen wir uns auch mehr jüngere Kunsthandwerker in der Gruppe.“

Vorausschauen, achtsam sein, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit: Solche Werte spielen in der Werkform-Philosophie ohnehin eine große Rolle, erklärt Franz Bermes, Werkformer seit 2012. „In der schnelllebigen Zeit ist es uns wichtig, Kontrapunkte zu setzen. Bei uns heißt es fühlen, sehen, wahrnehmen, die Schönheit der Dinge, die oftmals auch mit Zweckmäßigkeit einhergeht, zu erfassen“, so Bermes. „Wir praktizieren in unseren Handwerksbetrieben Maßvolles, Menschliches, und schonen die Ressourcen, etwa durch Recycling. Wir versuchen in unserem kleinen Umfeld Bewusstsein für Material und qualitativ hochwertige Arbeit zu schaffen.“  

Über das Jubiläum hinaus hat die Ausstellung 2020 auch eine Signalfunktion. Denn die Coronakrise hat das gestaltende Handwerk stark getroffen. Zwar durfte das Handwerk während des Lockdowns in den Werkstätten weiterarbeiten. Fast alle Vertriebswege waren jedoch versperrt. Ausstellungen und Spezialmärkte wurden abgesagt, Galerien geschlossen. Gabriele Drangmeister ist froh, dass es jetzt wieder aufwärts gehen kann: „Deshalb haben wir uns im Sinne der Betroffenen entschieden, diese Ausstellung trotz aller Umstände und Auflagen zu stemmen. Die Besucher dürfen auf Unikate aus rund 30 Werkstätten aus Trier und der Großregion gespannt sein. Wir freuen uns auf viele Besucher!“   

Knaack-Schweigstill, Constanze
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